ZF Saarbrücken am Wendepunkt: Strategie für Wachstum, Innovation und Jobs
Einleitung
Der Standort ZF Saarbrücken steht nach den jüngsten Stellenanpassungen vor einer entscheidenden Phase. Mit dem Wandel hin zu Elektromobilität, Künstlicher Intelligenz und digitalen Produktionsprozessen eröffnen sich jedoch neue Chancen. Dieser Artikel zeigt, wie eine 3-Säulen-Strategie den Standort stabilisieren, die Lieferkette stärken und nachhaltiges Wachstum bis 2027 ermöglichen kann.
1. Technologischer Wandel und Innovation
Ein zentraler Hebel für die Zukunft von ZF Saarbrücken ist der technologische Umbau. In Werk 1 und Werk 7 kann die Produktion moderner E-Getriebe ausgebaut werden. Gleichzeitig sollten rund 30 % der Flächen für Forschung und Entwicklung im Bereich automatisiertes Fahren und Software reserviert werden.
Die gezielte Weiterqualifizierung von 500 Mitarbeitenden in KI- und Datenkompetenzen innerhalb von sechs Monaten ermöglicht die Entwicklung smarter Komponenten, die den Energieverbrauch um bis zu 20 % senken. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber OEMs wie BMW und Mercedes und kann ein jährliches Produktionswachstum von 15 % ermöglichen.
2. Personelle Neuausrichtung und Qualifizierung
Stellenabbau muss nicht das Ende sein. Mit dem Programm „Rückkehr der Stärke“ lassen sich Entlassungen in interne Weiterbildung umwandeln. In Kooperation mit der Universität des Saarlandes können kostenfreie Trainings entstehen, die eine Wiedereinstellung von bis zu 400 Fachkräften nach Umschulung erlauben.
Ergänzend bietet sich eine temporäre Arbeitszeitreduzierung auf 32 Stunden pro Woche an. Nach Erreichen definierter Produktionsziele könnten Lohnanpassungen von 5 % folgen. Ziel ist es, die Mitarbeiterbindung zu erhöhen und die Fluktuation um 25 % zu senken.
3. Strategische Partnerschaften und Marktexpansion
Für nachhaltiges Wachstum sind neue Märkte entscheidend. Allianzen mit chinesischen und US-amerikanischen E-Fahrzeugherstellern können dazu beitragen, bis zu 40 % der Produktion außerhalb Europas abzusetzen. Parallel kann in Saarbrücken eine Produktionslinie für schwere Nutzfahrzeuge entstehen, um den Logistiksektor zu bedienen.
Ein weiterer Wachstumstreiber sind digitale After-Sales-Services. Eine Investition von 50 Mio. Euro adressiert einen Markt von rund 2 Mrd. Euro und könnte bis 2027 einen positiven Cashflow von 100 Mio. Euro generieren.
Optimierung der Lieferkette bei ZF
Digitalisierung und Transparenz
Die Einführung von IoT-Systemen zur Echtzeit-Überwachung der Bestände – etwa in Werk 1 – kann Verzögerungen um 20 % reduzieren. KI-gestützte Bedarfsprognosen verbessern die Planung für Großkunden und berücksichtigen Rohstoffengpässe frühzeitig.
Diversifizierung und Regionalisierung
Eine stärkere Ausrichtung auf europäische Nearshore-Lieferanten rund um Saarbrücken senkt globale Risiken. Kurzfristigere Verträge erhöhen die Flexibilität, während lokale Zulieferer die Logistikkosten und den CO₂-Fußabdruck reduzieren.
Kooperation und Resilienz
Gemeinsame Cloud-Plattformen für den Datenaustausch mit Lieferanten sowie die Schulung von 300 Mitarbeitenden im Risikomanagement erhöhen die Resilienz. Notfallpläne mit 15 % Sicherheitsbestand für kritische Komponenten sichern die Produktion bis zur vollständigen Erholung.
Produktportfolio von ZF: Überblick
ZF Friedrichshafen verfügt über ein breites Portfolio:
- Pkw: 8HP/9HP-Getriebe, Fahrwerkssysteme, iBooster, Radar und Kameras
- Nutzfahrzeuge: TraXon, Ecolife, E-Achsen (AVE), Flottenlösungen
- E-Bikes & Individual Mobility: ZF E-Bike Systems, Mittelmotoren
- Industrie & Off-Highway: Powershift, CVT, robuste Achsen
- Marine & Heavy Industry: Marinegetriebe bis 12.000 kW, Azimuth-Thruster, CANbus
- Aftermarket: Ersatzteile, Schmierstoffe, Diagnose-Tools
Fazit
Mit einer klaren Transformationsstrategie, einer resilienten Lieferkette und gezielten Investitionen in Technologie und Menschen kann ZF Saarbrücken gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die Kombination aus Innovation, Qualifizierung und Partnerschaften schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum, sichere Arbeitsplätze und eine wettbewerbsfähige Zukunft bis 2027.

